Trance- und Besessenheitszustände (Dissoziative Störung)

Trance- und Besessenheitszustände

Bei der psychischen Störung Trance- und Besessenheitszustände leiden Betroffene unter unfreiwillig auftretenden Trance- oder Besessenheitszuständen. Die Erkrankung gehört zur Gruppe der dissoziativen Störungen. Trancezustände können auch als Symptom anderer dissoziativer Störungen (z.B. NNBDS, DIS) oder bei komplexer PTBS auftreten.

Krankheitsbild und Symptome der Trance- und Besessenheitszustände

Jeder Mensch erlebt von Zeit zu Zeit tranceartige Zustände, beispielsweise in Form von Tagträumen, bei eintönigen Autobahn-Fahrten (Autobahn-Trance) oder bei starker Übermüdung und Erschöpfung. Diese Trancezustände sind normal und stellen keine Erkrankung dar.

Anders ist es bei Menschen, die von der Störung Trance- und Besessenheitszustände betroffen sind: die unfreiwillig auftretenden Trance- und Besessenheitszustände beeinträchtigen das Leben der Betroffenen massiv und führen so zu großem Leid. Die Dauer der Trance- und Besessenheitszustände kann von wenigen Minuten bis hin zu Stunden betragen.

Bei der Störung sind Trance- und Besessenheitszustände wie folgt zu unterscheiden:

Trancezustände

Während eines Trancezustandes sind das subjektive Erleben, die Kognition und der Bewusstseinsrahmen verändert. Die Trancezustände äußern sich in Form von vorübergehendem Verlust der persönlichen Identität, Verlust der vollständigen Wahrnehmung der Umwelt und/oder Einschränkung von Bewegungen, Haltungen und Äußerungen auf ein geringeres Repertoire, das ständig wiederholt wird.

Besessenheitszustände

Bei Besessenheitszuständen sind Betroffene überzeugt davon, von einer anderen Persönlichkeit, einem Geist, einer Gottheit oder einer anderen Kraft beherrscht zu werden.

ICD-10 und DSM-5

In der ICD-10 ist die Störung Trance- und Besessenheitszustände als dissoziative Störung klassifiziert und unter dem Code F44.3 vorzufinden. Im DSM-5 existiert keine eigenständige Störung hierfür.

Ursachen

Die Störung Trance- und Besessenheitszustände kann durch traumatische Erlebnisse oder extrem belastende Ereignisse verursacht werden. Solche Zustände können auch als Symptom anderer dissoziativer Störungen auftreten, z.B. bei der Nicht Näher Bezeichneten Dissoziativen Störung (NNBDS) oder bei der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) / Multiplen Persönlichkeitsstörung (MPS). Ferner können Trancezustände auch bei der komplexen PTBS vorkommen.

Diagnose

Für die Diagnose von Trance- und Besessenheitszuständen müssen die folgenden Kriterien erfüllt sein:

Kriterium A:

Die allgemeinen Kriterien für eine dissoziative Störung sind erfüllt.

Kriterium B:

Vorliegen eines Trance- oder Besessenheitszustandes:

Trancezustände: Vorübergehende Bewusstseinsveränderung mit mindestens zwei der folgenden Merkmale:

  • Verlust des Gefühls der persönlichen Identität,
  • Einengung des Bewusstseins in Bezug auf die unmittelbare Umgebung oder eine ungewöhnlich eingeengte und selektive Fokussierung auf Stimuli aus der Umgebung,
  • Einschränkung von Bewegungen, Haltungen und Gesprochenem auf die Wiederholung eines kleinen Repertoires.

Besessenheitszustände: die Betroffenen sind überzeugt, von einem Geist, einer Macht einer Gottheit oder einer anderen Person beherrscht zu werden.

Kriterium C:

Die Trance- und Besessenheitszustände müssen ungewollt und belastend sein, außerhalb von religiösen oder anderen kulturell akzeptierten Situationen auftreten und stellen keine Verlängerung solcher Zustände dar.

Kriterium D:

Häufigstes Ausschlusskriterium: Kein gleichzeitiges Auftreten mit einer Schizophrenie oder einer verwandten Störung oder mit einer affektiven Störung mit Halluzinationen oder Wahngedanken.

Differenzialdiagnose

Bei der Diagnose der Trance- und Besessenheitszustände sind folgende Differenzialdiagnosen zu berücksichtigen: 

  • Intoxikation mit psychotropen Substanzen (z.B. Drogen)
  • Organisches Psychosyndrom nach Schädel-Hirn-Trauma
  • Organische Persönlichkeitsstörung
  • Körperliche Krankheiten (z.B. Temporallappenepilepsie oder Kopfverletzung)
  • Schizophrenie
  • Vorübergehende akute psychotische Störungen
  • Dissoziative Identitätsstörung (DIS) / Multiple Persönlichkeitsstörung (MPS)

Therapie

Für Betroffene von Trance- und Besessenheitszuständen ist Psychotherapie das Mittel der Wahl. Die Therapie sollte dabei von Therapeuten durchgeführt werden, die über ausreichende Erfahrungen im Bereich der dissoziativen Störungen verfügen.

Es sind verschiedene Therapieformen möglich. Die Art der Therapie sollte davon abhängig sein, welche und wie viele weitere dissoziative Symptome vorliegen. Bei einfachen dissoziativen Störungen sind die Arbeit an den auslösenden Situationen sowie die Verbesserung der Affektwahrnehmung und der Affekttoleranz sinnvoll. Bei komplexeren dissoziativen Störungen (NNBDS, DIS) müssen störungsspezifische Techniken angewendet werden, mit denen die dissoziativen Barrieren systematisch verringert werden.

 

 

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