Der effektivste Weg, den richtigen Traumatherapeuten zu finden – in 7 einfachen Schritten

Traumatherapeuten finden in 7 einfachen Schritten

Von Betroffenen höre ich immer wieder, dass sie Probleme haben, einen Traumatherapeuten zu finden. Auch mir ging es damals so, als ich auf der Suche nach einer Traumatherapie in München war.

Mit diesem Beitrag Der effektivste Weg, den richtigen Traumatherapeuten zu finden möchte ich Dir einen einfachen 7-Schritte-Plan an die Hand geben, wie Du den richtigen Traumatherapeuten findest.

Die 7 Schritte sehen Sie folgt aus:

  • Schritt 1: Vorüberlegungen treffen
  • Schritt 2: Traumatherapeuten finden – so geht’s!
  • Schritt 3: Erstellung einer Liste möglicher Therapeuten
  • Schritt 4: Kontaktaufnahme & Terminvereinbarung für ein Erstgespräch
  • Schritt 5: Erstgespräche führen
  • Schritt 6: Weitere probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen
  • Schritt 7: Auswahl des Traumatherapeuten

Bevor wir zum 7-Schritte-Plan kommen, gehe ich noch auf die Gründe ein, warum es so schwer ist, einen Therapeuten zu finden.

Einen Traumatherapeuten zu finden ist gar nicht einfach. Warum eigentlich?

Kein freier Therapieplatz

Traumatherapeuten gibt es zwar so einige, jedoch sind die meisten „ausgebucht“ und haben lange Wartezeiten auf einen freien Therapieplatz. Findet man dann endlich einen Therapeuten, der einen freien Therapieplatz hat, gibt es noch eine Reihe weiterer Hürden, bevor man mit der Traumatherapie beginnen kann. Die wesentlichen Hürden sind im Folgenden erläutert.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Es gibt viele Behandler, die sich mit Bezeichnungen wie Traumatherapie, Traumatherapeut, Traumatherapeutin, Psychotraumatologie oder Psychotraumatherapie als Fachleute in der Trauma-Behandlung ausweisen. Diese besitzen auch noch unterschiedliche Ausbildungen und Berufsbezeichnungen, bspw. Dipl.-Psych., Dr. med. oder Heilpraktiker / Heilpraktikerin für Psychotherapie. Für einen Betroffenen ist schwer zu erkennen, welche Therapeuten gut qualifiziert sind.

Nicht alle Fachleute, die sich als Traumatherapeut / Traumatherapeutin ausweisen, sind in puncto Psychotraumatologie gut genug ausgebildet oder besitzen zu wenig Erfahrung in der Praxis. Vor allem bei dissoziativen Störungen ist es schwer einen Traumatherapeuten zu finden, der sich mit der Behandlung dissoziativer Störungen ausreichend auskennt. Zwar liest man auf vielen Therapeuten-Websites, dass dissoziative Störungen zum Behandlungsspektrum gehören würden, jedoch sieht die Realität häufig anders aus.

Die Chemie muss stimmen

Damit eine Traumatherapie erfolgreich sein kann, ist eines unabdingbar: die Chemie zwischen dem Therapeuten und dem Traumatisierten muss stimmen. Nur dann ist unsere traumatisierte Psyche in der Lage, sich mit dem Trauma auseinanderzusetzen und es zu integrieren. Man muss dem Traumatherapeuten zu 100 Prozent vertrauen können. Bis das Vertrauen aufgebaut ist, vergeht oftmals einige Zeit. Bei einigen Therapeuten merkt man jedoch bereits schnell, dass die Chemie nicht stimmt.

Kassenzulassung

Nicht alle Therapeuten besitzen eine Zulassung für gesetzliche Krankenkassen. Dieses ist jedoch Voraussetzung dafür, dass gesetzliche Krankenkassen die Kosten für eine Psychotherapie übernehmen. Oft kommt es vor, dass man einen Traumatherapeuten mit einem freien Therapieplatz findet, dieser jedoch keine Kassenzulassung besitzt. Ist man dann nicht bereit oder nicht in der Lage, die Kosten selbst zu tragen, bringt einem der freie Therapieplatz nichts.

Traumatherapeuten finden – der 7-Schritte-Plan

Schritt 1: Vorüberlegungen treffen

Bevor Du direkt mit der Therapeutensuche loslegt, solltest Du einige Vorüberlegungen treffen. Dieses wird Deinen Suchprozess vereinfachen, weil Du gezielter suchen kannst. Folgende Fragen solltest Du Dir hierfür beantworten:

Welche Art von Traumatherapie möchte ich machen?

Es gibt viele unterschiedliche Traumatherapieverfahren und -methoden, bspw. EMDR, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, PITT und kognitive Verhaltenstherapie. Traumatherapeuten besitzen unterschiedliche Ausbildungen und sind oft auf bestimmte Therapiemethoden spezialisiert. Am besten Du recherchierst, welche Methoden Dir für Dich am geeignetsten erscheinen. Ich persönlich habe mit EMDR in Kombination mit Bild- und Gestalttherapie sehr gute Erfahrungen gemacht.

Möchte ich eher eine Therapeutin, einen Therapeuten oder ist mir das egal?

Therapeuten können einen auch triggern weil sie einen unterbewusst an das Trauma erinnern können. So kommt es zum Beispiel oft vor, dass sexuell missbrauchte Frauen von Männern getriggert werden. Aus diesem Grund ist es wichtig, sich die Frage zu beantworten, ob das Geschlecht bei der Therapeutenwahl eine Rolle spielt. Nur, wenn man sich in der Therapie wohl und in absoluter Sicherheit fühlt, ist eine erfolgreiche Traumatherapie möglich.

In meinem Fall war mir sehr schnell klar, dass eine weibliche Therapeutin besser wäre. Männer triggern mein Trauma deutlich häufiger, da sie mich an die körperliche Gewalt erinnern, die ich erlebt habe.

Bin ich bereit, Kosten selbst zu tragen oder sollten diese von der Krankenkasse übernommen werden?

Viele Traumatherapeuten besitzen keine Zulassung für gesetzliche Krankenkassen. Ist man nicht privat versichert oder besitzt man keine Zusatzversicherung, müsste man die Kosten für die Traumatherapie dann selbst tragen. Du solltest Dir im Vorfeld die Frage beantworten, ob Du bereit bist, Kosten für die Psychotherapie selbst zu tragen. Bist Du es nicht, dann kannst Du bei der Suche bereits alle Therapeuten ausschließen, bei denen dieses der Fall wäre.

Wie weit bin ich bereit zu fahren?

Gerade in ländlichen Gegenden und kleineren Städten ist die Auswahl an Traumatherapeuten nicht sehr groß. Du solltest überlegen, wie weit Du bereit wärst, zur Therapie zu fahren. Du kannst Deine Suche dann regional eingrenzen.

Schritt 2: Traumatherapeuten finden – so geht’s!

Jetzt ist es soweit: Der erste Schritt ist getan und die Therapeutensuche kann beginnen. Im Folgenden zeige ich Dir, wie Du Traumatherapeuten findest.

Traumatherapeuten-Online-Datenbanken

Online-Datenbanken sind meiner Meinung nach der einfachste Weg, Traumatherapeuten zu finden. Es gibt zwei sehr gute Datenbanken, die eine Vielzahl an Therapeuten führen.

Datenbank der DeGPT (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie)

Die Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie (DeGPT) ist eine Gesellschaft für Fachleute, die mit Traumatisierten arbeiten. Auf der Website stellt die DeGPT eine Therapeutensuche zur Verfügung. Diese umfasst Traumatherapeuten, die eine Weiterbildung in Psychotraumatherapie absolviert haben, die von der DeGPT zertifiziert wurde. In Deutschland sind derzeit (Stand Mai 2017) rund 1.200 Traumatherapeuten in der Online-Datenbank der DeGPT erfasst.

Im Folgenden findest Du den Link zur Therapeutensuche der DeGPT:

> Link zur Datenbank der DeGPT

Datenbank des EMDRIA e.V.

Der EMDRIA e.V. ist der Fachverband für Anwender der psychotherapeutischen Methode EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing), welche vor allem zur Traumatherapie angewendet wird. Der EMDRIA e.V. stellt auf der Website eine Therapeutensuche zur Verfügung. Bei den erweiterten Suchfunktionen lässt sich die Suche auf Traumatherapeuten beschränken.

Hier der Link zur Therapeutensuche des EMDRIA e.V.:

> Link zur Datenbank des EMDRIA e.V.

Regionale Beratungsangebote

In vielen Städten gibt es regionale Beratungsangebote für Traumatisierte, z.B. Traumahilfezentren, Traumaambulanzen, Traumakliniken oder Vereine. Häufig vermitteln diese Institutionen auch Traumatherapeuten aus der Region. Am besten Du recherchierst ein bisschen im Internet (Google), z.B. mit Suchbegriffen wie „Traumaambulanz + Stadt / Region“, „Traumahilfe + Stadt / Region“. Dann hast Du gute Chancen, fündig zu werden.

In München existieren einige sehr gute Anlaufstellen für Traumatisierte. Über diese habe ich in meinem Beitrag München: Hier bekommen PTBS-Betroffene fachkundige Hilfe geschrieben.

Online-Recherche mit Google

Du kannst auch direkt nach Traumatherapeuten bei Google suchen. Gib hierfür zum Beispiel folgende Suchbegriffe ein:

  • „Traumatherapeut + Stadt / Region“
  • „Traumatherapeutin + Stadt / Region“
  • „Traumatherapie + Stadt / Region“

Schritt 3: Erstellung einer Liste möglicher Therapeuten

Nachdem Du die Vorüberlegungen getroffen und nach Traumatherapeuten recherchiert hast, kannst Du Dir nun eine Liste der Traumatherapeuten erstellen, die für Dich infrage kommen. Die Liste wird es Dir vereinfachen, den Überblick über den aktuellen Stand der Dinge zu behalten. Darüber hinaus hast Du alle wichtigen Informationen zusammen, wenn Du Kontakt mit den Therapeuten aufnimmst.

Die Liste sollte folgende Informationen beinhalten:

  • Name Traumatherapeut / Traumatherapeutin
  • Adresse der Praxis
  • Kontaktdaten (Telefonnummer, E-Mail-Adresse)
  • Traumatherapie-Methoden (z.B. EMDR, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, PITT, kognitive Verhaltenstherapie)
  • Zulassung für gesetzliche Krankenkassen (ja / nein)
  • Datum der Kontaktaufnahme
  • Aktueller Stand der Dinge
  • Datum des Erstgesprächs
  • Anmerkungen

Du kannst die Liste handschriftlich führen. Empfehlen würde ich jedoch, die Liste am Computer mit einem Tabellenkalkulationsprogramm (z.B. Microsoft Excel) zu erstellen. Dies ermöglicht es Dir, die Daten schnell und sauber ändern zu können.

So könnte Deine Liste dann aussehen:

Traumatherapeuten-Liste

Schritt 4: Kontaktaufnahme & Terminvereinbarung für ein Erstgespräch

Wenn Du die Liste erstellt hast, kann die Kontaktaufnahme mit den Traumatherapeuten beginnen. Am besten ist, Du arbeitest Deine Liste von oben nach unten ab und rufst die Therapeuten nacheinander an. Wahrscheinlich wirst Du viele Therapeuten nicht direkt erreichen, da sie bestimmte Sprechzeiten haben, in denen sie telefonisch erreichbar sind. Bei einigen Therapeuten kann man jedoch eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen und um Rückruf bitten.

Die Informationen, ob Du einen Therapeuten erreicht hast, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter hinterlassen hast oder wann die telefonischen Sprechzeiten sind, kannst Du in Deiner Liste eintragen. Solltest Du einen Therapeuten erreicht haben, kannst Du in der Liste eintragen, wann das Erstgespräch stattfindet, bzw., wenn der Traumatherapeut keinen freien Therapieplatz hat, dass er derzeit keine Therapie anbieten kann. Gegebenenfalls nennt Dir der Therapeut / die Therapeutin einen ungefähren Zeitpunkt, wann wieder ein Platz frei werden könnte. Erfahrungsgemäß lohnt es sich, die Therapeuten, welche derzeit keinen freien Therapieplatz haben, immer mal wieder zu kontaktieren. Ein bisschen freundliche Hartnäckigkeit führt nicht selten zum Erfolg.

Die Liste könnte nach den Eintragungen wie folgt aussehen:

Traumatherapeuten-Liste mit Anmerkungen

Eine Liste zu führen ist nicht nur gut, um den Überblick zu behalten. Solltest Du keinen Traumatherapeuten mit Zulassung für gesetzliche Krankenkassen finden, ist es möglich, bei der Krankenkasse einen Antrag auf Kostenerstattung für einen Therapeuten ohne Kassenzulassung zu beantragen. Hierfür möchte die Krankenkasse einen Nachweis darüber, dass Du versucht hast, einen Therapieplatz bei einem Therapeuten mit Zulassung für gesetzliche Krankenkassen zu bekommen. Um dieses der Krankenkasse nachzuweisen, ist eine gut geführte Liste ideal.

Schritt 5: Erstgespräche führen

Endlich ist es soweit, das Erstgespräch mit einem Traumatherapeuten steht an. Mache Dich nicht verrückt. Wenn Du aufgeregt bist, bevor Du die Praxis betrittst oder sogar dissoziierst ist das völlig normal. Dein Traumatherapeut / Deine Traumatherapeutin wird Dich verstehen. Schließlich erleben sie dieses jeden Tag und es ist Dir ja auch wichtig, eine vielversprechende Traumatherapie beginnen zu können.

Für das Erstgespräch solltest Du Dir nicht allzu viel vornehmen. Schließlich ist die Zeit begrenzt und vergeht oft sehr schnell. Auf Basis des Erstgespräches solltest Du Dir folgende Fragen beantworten können:

  • Fühle ich mich grundsätzlich wohl bei dem Therapeuten?
  • Triggert mich der Therapeut?
  • Kann ich mir vorstellen, mit dem Therapeuten mein Trauma zu bearbeiten?
  • Habe ich den Eindruck, dass der Therapeut / die Therapeutin ausreichend qualifiziert ist?

Eine erfolgreiche Traumatherapie ist nur dann möglich, wenn die Beziehung zwischen dem Traumatherapeuten und dem Betroffenen gut ist und der Betroffene dem Therapeuten vertraut – in persönlicher wie in fachlicher Hinsicht.

Schritt 6: Weitere probatorische Sitzungen in Anspruch nehmen

Das Erstgespräch ist in der Regel nicht ausreichend, um sich einen abschließenden Eindruck vom Traumatherapeuten machen zu können. Deshalb ist es ratsam, weitere sogenannte probatorische Sitzungen in Anspruch zu nehmen (eine Art Therapie auf Probe). Somit kann man sich nach und nach einen besseren Eindruck verschaffen und prüfen, ob der Traumatherapeut / die Traumatherapeutin wirklich geeignet für einen ist und sich eine vertrauensvolle Beziehung aufbauen lässt.

Die Krankenkassen genehmigen in der Regel vier oder fünf probatorische Sitzungen pro Therapeut / Therapeutin mit Zulassung für gesetzliche Krankenkassen. Ein Antrag auf Psychotherapie ist hierfür nicht erforderlich.

Schritt 7: Auswahl des Traumatherapeuten

Du hast Erstgespräche mit mehreren Traumatherapeuten geführt und idealerweise auch mit mehreren probatorische Sitzungen gemacht? Dann ist es jetzt an der Zeit, Dich für einen Traumatherapeuten zu entscheiden. Gehe am besten nach Deinem Gefühl. Entscheide Dich für den Therapeuten, bei dem Du Dich persönlich und fachlich am besten aufgehoben fühlst.

Jetzt kann die Traumatherapie beginnen. Der erste Meilenstein auf Deinem Genesungsweg ist erreicht.

 

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