Was ist ein Trauma? (und was es nicht ist)

Was ist ein Trauma?

Der Begriff Trauma wird umgangssprachlich häufig unpräzise und inflationär verwendet. So werden gewöhnliche Alltagsbelastungen häufig als Traumata bezeichnet, die de facto jedoch keine darstellen. In diesem Beitrag erfährst Du, was ein Trauma (im engeren Sinne) ist und wie der Begriff häufig falsch verwendet wird.

Was ist ein Trauma?

Es existieren unterschiedliche Definitionen zum Begriff Trauma, die im Kern jedoch eine große Übereinstimmung aufweisen. Zusammenfassend könnte Trauma wie folgt definiert werden:

Ein Trauma ist eine schwerwiegende seelische Verletzung, die durch mindestens ein (traumatisches) Erlebnis von außergewöhnlicher Bedrohung entsteht.

Im Folgenden sind die Definitionen der WHO, der DeGPT und des DSM-5 aufgeführt.

Definition der WHO

Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert den Begriff wie folgt:

Ein Trauma ist ein kurz- oder langanhaltendes Ereignis oder Geschehen von außergewöhnlicher Bedrohung mit katastrophalem Ausmaß.

Definition der DeGPT

Die DeGPT (Deutschsprachige Gesellschaft für Psychotraumatologie) definiert den Begriff folgendermaßen:

Der Begriff Trauma (griech.: Wunde) lässt sich bildhaft als eine „seelische Verletzung“ verstehen, zu der es bei einer Überforderung der psychischen Schutzmechanismen durch ein traumatisierendes Erlebnis kommen kann.

Definition im DSM-5

Definition im US-amerikanischen Diagnosehandbuch DSM-5 der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft APA:

Ausgesetztsein von tatsächlichem oder drohendem Tod, schwerer Verletzung oder sexuellem Missbrauch als Opfer oder Zeuge.

Häufigkeit von Traumata und Traumafolgestörungen

Laut Studien machen weltweit ungefähr 75% der Bevölkerung im Lauf ihres Lebens eine traumatische Erfahrung. Jedoch entwickeln nicht alle, die ein traumatisches Ereignis erlebt haben auch eine Traumafolgestörung. Bei nur etwa einem Viertel der Betroffenen tritt nach dem traumatischen Ereignis eine Traumafolgestörung (z.B. PTBS, komplexe PTBS, dissoziative Störung) auf.

Was es nicht ist

In der Allgemeinbevölkerung und in den Medien wird der Begriff Trauma unpräzise und inflationär verwendet. Medien sprechen zum Beispiel davon, wenn ein Fußballverein ein paar Spiele sieglos bleibt oder wenn Firmen ihre Produkte zurückrufen müssen.

Diese verallgemeinerte, sehr weit gefasste Verwendung des Begriffs hat weitreichende Konsequenzen für diejenigen, die tatsächlich schwere traumatische Erfahrungen machen mussten und unter Traumafolgestörungen leiden. In der öffentlichen Wahrnehmung wird die Verwendung des Wortes Trauma dem Leid der Betroffenen von Traumafolgestörungen nicht gerecht.

Ein paar Beispiele, wie der Begriff in den Medien (falsch) verwendet wird:

  • Bildzeitung: „Haben die Grünen ein Veggie-Trauma, Frau Göring-Eckardt?“
  • Hamburger Abendblatt: „Sowohl die deutschen Damen als auch Herren haben bei der Europameisterschaft in den Niederlanden ein Trauma erlebt.“
  • Westfalenpost: „Machtverlust bedeutet immer auch ein Trauma. Im Grillen hat der Mann ein Refugium.“
  • Manager Magazin: „Samsung will das Trauma endlich hinter sich lassen.“
  • Stern: „Nach Müllers Jubel-Trauma: 13 besonders verrückte Verletzungen aus der Bundesliga.“

 

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4 Antworten

  1. Loree Müller sagt:

    Meine Mama erfuhr im letzten Winterurlaub eine sehr nahe Begegnung mit dem Tod als sie einen 10m Abrund hinunterstürtzte. Da ich selbst dabei war, und gesehen habe wie alles verlaufen ist, vermute ich jetzt, dass sie davon ein Trauma davon getragrn hat. Sie hat bald Geburtstag und ich suche schon seit längerem ein Geburtstagsgeschenk, finde jedoch keins. Sie interssiert sich, ebenfalls wie ich, sehr für Traumas und allgemein psychische Störungen. Ich werde ihr wohl das oben genannte Buch: „Trauma heilen“ schenken. Jetzt denkt man vllt, das ist eine seltsame Idee, ein Buch über zu schenken(auch noch zum Geburtstag) was solch shcreckliche Erinnerungen hervorruft aber sie kann darüber eden und da sie es nicht für nötig hält, sich Hilfe zu suchen, ist das eine gute Idee , meine ich.
    Also DANKE für die Geschenkidee 🙂

    • Stephan sagt:

      Hallo Loree,

      wenn Deine Mutter sich dafür interessiert, halte ich es für eine sehr gute Idee. Sich damit zu beschäftigen heißt ja auch, das Trauma zu bewältigen und glücklich zu leben.

      Ich wünsche Dir und Deiner Mutter alles Gute.

      Liebe Grüße
      Stephan

  2. Heinz Schnitzler sagt:

    Ich durchlebe geradee ein Trauma nach zwei Sterbefällen in 2 Monaten und der Lähmung meines Bruders.Mein ganzes Inneres ist durcheinander.Jeder Arztbesuch macht nur noch Panik.Versuche mit Psychotherapie.Hoffe es hilft,das Leben steht so auf dem Kopf.

    • Stephan sagt:

      Hallo Heinz,

      vielen Dank, dass Du uns so offen teilhaben lässt an Deinem Seelenkummer.

      Traumata zu bewältigen braucht seine Zeit. Ich wünsche Dir schnelle Genesung und alles Gute.

      Liebe Grüße
      Stephan

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