Mein Genesungsweg: Rückblick Juni 2017

Mein Genesungsweg - Juni 2017

Und schon wieder ist ein Monat vergangen – für mich hat es sich so angefühlt, als wäre der Juni förmlich an mir vorbei geflogen.

Heute schreibe ich wieder über meinen Genesungsweg und was sich im letzten Monat bei mir verändert und gezeigt hat. Ich bin Stephan, Betroffener von komplexer PTBS und der dissoziativen Störung NNBDS (Nicht Näher Bezeichnete Dissoziative Störung) und Autor dieses Blogs über Trauma & Dissoziation.

Das, worüber ich in diesem Beitrag schreibe, ist sehr individuell, sehr persönlich. Ich hoffe, dass Du daraus etwas für Dich mitnehmen kannst. Vielleicht für Deinen Genesungsweg oder, falls Du Therapeut sein solltest, für die Arbeit mit Deinen Klienten.

Solltest Du Fragen haben oder Parallelen zu Dir ziehen können, dann zögere nicht, mir zu schreiben. Ich würde mich freuen, von Dir zu hören bzw. zu lesen.

Was sich im Juni so alles getan hat

Im Juni hat sich wieder einmal viel bewegt. Als Außenstehender hat man wahrscheinlich den Eindruck, dass es mir schlechter gehen würde als im Mai. Ich habe dennoch das Gefühl, voran zu kommen in meinen Prozess und immer mehr an die traumatischen Inhalte zu gelangen, die bislang noch stark abgespalten, dissoziiert waren. Sich dem Trauma zu nähern fördert eben oft Symptome hervor, die belastend sind und erstmal „verdaut“ werden müssen.

Was sich im Wesentlichen bei mir im Juni getan hat, darüber erfährst Du im Folgenden mehr.

Immer noch nicht „weggebeamt“

In meinem Mai-Rückblick hatte ich bereits darüber berichtet, dass ich, seitdem ich Nahrungsergänzungsmittel nehme, nicht mehr „weggebeamt“ war. „Weggebeamt sein“ ist für mich ein Zustand starker Dissoziation, bei dem ich nichts mehr fühle. Die Welt erscheint mir dann völlig fremd und es kommt mir so vor, als sei ich nicht mehr wirklich Teil davon.

Auch im Juni musste ich diesen schrecklichen Zustand des „Weggebeamtseins“ nicht mehr über mich ergehen lassen. Für mich ein großartiger Fortschritt, für den ich sehr dankbar bin. Die Nahrungsergänzungsmittel, die ich seit nun circa zwei Monaten nehme, helfen mir wirklich sehr.

Wenn Du mehr über die Nahrungsergänzungsmittel erfahren möchtest, dann empfehle ich Dir meinen Artikel Mein Genesungsweg: Nährstoffmangel festgestellt.

Kopfschmerzen

Der Juni war sehr stark geprägt von heftigen Kopfschmerzen. Viele Betroffene von dissoziativen Störungen kennen dieses Phänomen.

In etwa jeden zweiten Tag hatte ich Kopfschmerzen. Oftmals waren diese an der Grenze des Erträglichen. Auch starke Schmerztabletten haben mir dann nicht wirklich Erleichterung verschaffen können. Das Einzige, was mir vielleicht etwas geholfen hat, war viel, teilweise sehr viel Schlaf.

Einen Zusammenhang zwischen Kopfschmerzen und Dissoziation konnte ich schon oft bei mir beobachten. Von anderen Betroffenen habe ich berichtet bekommen, dass sie diesen Zusammenhang auch sehr gut kennen. Einen wissenschaftlichen Artikel, was es genau damit auf sich hat, konnte ich bislang noch nicht dazu finden. Die genaue Ursache für dissoziative Kopfschmerzen würde mich sehr interessieren.

In einem Trauma-Buch habe ich mal gelesen, dass Kopfschmerzen im Zusammenhang mit Dissoziation ein Zeichen dafür seien, dass Persönlichkeitsanteile miteinander im Konflikt stünden. Wissenschaftlich fundiert erklärt wurde es jedoch in diesem Buch nicht, eher empirisch auf Basis von Erfahrungen mit Klienten. Naja, die Psyche lässt sich ja eben auch nicht so gut untersuchen wie körperliche Gebrechen. Sie ist eher eine Art Blackbox, die manchmal etwas macht, ohne dass wir genau verstehen, warum sie das macht.

Für mich fühlen sich die Kopfschmerzen – auch wenn sie manchmal so unerträglich sind – jedenfalls so an, als würde sich etwas sortieren und als würde es voran gehen. Ich versuche sie zu ertragen, anzunehmen und nach vorne zu blicken.

Albträume

Lange habe ich nicht geträumt. Ich würde sagen, für mindestens drei Jahre, vielleicht sogar mehr. Meine ersten Träume kamen Anfang dieses Jahres, wenn ich mich richtig erinnere. Bis letzten Monat habe ich sporadisch geträumt. Vielleicht in einer Nacht pro Woche.

Im Juni haben meine Träume deutlich zugenommen. Ich hatte viele Albträume mit unterschiedlichen Geschichten. Ein Muster hatten die Träume jedoch gemein: Ich wurde immer dominiert und fühlte mich machtlos. Die Albträume geben mir zwar nicht die konkrete Trauma-Geschichte wider. Der rote Faden des Dominiertwerdens und des Ausgeliefertseins ist aber mit Sicherheit das maßgebende Gefühl, das ich während des Traumas erlebt haben muss. In meinen Träumen verpackt meine Psyche dieses Gefühl nur in Form anderer Geschichten, die entweder einen Gegenwartsbezug haben oder völlig fiktiv und manchmal auch abstrus sind.

Ich bin mir sicher, dass meine Psyche versucht, in den Träumen mein Trauma zu verarbeiten. Für mich also auch ein Zeichen, dass ich voran komme.

Was hat es mit der Hummel auf sich?

Vielleicht hast Du Dich gefragt, was es mit der Hummel im Beitragsbild auf sich hat. Dieses Motiv habe nicht ohne Grund für meinen Juni-Rückblick gewählt.

Im Juni hatte ich eine Hummel als täglichen und treuen Begleiter an meiner Seite. Sie kommt mich seit Anfang Juni jeden Tag auf meiner Terrasse besuchen, um an meinen Sonnenblumen zu naschen. Wenn ich rausgehe auf meine Terrasse, kann ich sicher sein, sie an meinen Sonnenblumen anzutreffen.

Die Schönheit der Natur stellt im Allgemeinen eine Ressource für mich dar. Die Natur schafft es immer wieder, dass ich mich mit der Welt verbunden fühle und zumindest ein Bisschen Frieden finde in meinem Herzen – trotz des Traumas und dessen Auswirkungen. Jedem, der zur Schönheit der Natur einen Bezug haben sollte, kann ich das Nutzen dieser Ressource wärmstens empfehlen.

 

Das waren die wesentlichen Veränderungen, die im Monat Juni bei mir vonstatten gegangen sind. Ich bin gespannt, was der Juli für mich bereit hält und schaue ihm erwartungs- und hoffnungsvoll entgegen. Im nächsten Monat werde ich dann wieder berichten.

Wenn Du mehr über mich erfahren möchtest, dann schaue gerne auf meiner Profilseite vorbei.

Ich wünsche Dir alles Gute und vor allen Dingen Frieden in Deinem Herzen.

HERZliche Grüße
Stephan

2 Antworten

  1. Danke für Deine Offenheit, lieber Stephan. Mich berührt Dein Beitrag und ich freue mich für die geteilten Lichtblicke und offen gezeigten Schatten ;).

    Herzlich,
    Jonas

  2. Stephan sagt:

    Danke, lieber Jonas für Deine Rückmeldung.

    Liebe Grüße
    Stephan

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