Mein Genesungsweg: Rückblick Mai 2017

Mein Genesungsweg: Rückblick Mai 2017

Heute schreibe ich mal über mich, über meinen Genesungsweg und was sich im Mai so alles bei mir getan hat. Was ich schreibe ist sehr persönlich, sehr individuell. Ich hoffe dennoch, dass Du daraus Nutzen ziehen kannst für Dich. Vielleicht für Deinen Genesungsweg oder, falls Du Therapeut bist, für die Arbeit mit Deinen Klienten.

Seitdem sich meine Traumatisierungen zeigen, also seit September letzten Jahres, passiert sehr viel. Neue Symptome kommen hervor, bestehende verändern sich oder verschwinden. Einige temporär, manche vielleicht auch für immer. Es geht jedenfalls Schritt für Schritt voran. Nicht besonders schnell aber in dem Tempo, wie es meine Seele wohl verkraften kann.

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Was sich im Mai so alles getan hat

Im Mai hat sich sehr viel bewegt. Wie schon in den letzten Monaten, wenn ich einen Monat zurückgeblickt habe, so kann ich auch jetzt behaupten, dass es mir besser geht als vor vier Wochen. Was sich im Detail so alles bei mir getan hat, erfährst Du im Folgenden.

Nicht mehr „weggebeamt“

Die wohl größte Veränderung im letzten Monat ist, dass ich nicht mehr richtig „weggebeamt“ war. Darunter verstehe ich einen Zustand, in dem ich so dissoziiert bin, dass ich überhaupt nichts mehr fühle. Die Welt um mich herum kommt mir dann fremd vor und es fühlt sich für mich so an, als wäre ich nicht mehr Teil dieser Welt. Ich vegetiere nur noch und die Geschehnisse um mich herum ziehen an mir vorbei.

Seitdem ich jede Menge Nahrungsergänzungsmittel nehme (seit Ende April) kam dieser grauenhafte Zustand bei mir nicht mehr vor. Die Nahrungsergänzungsmittel gleichen den Nährstoffmangel aus, der durch die komplexe PTBS entstanden ist und das scheint mich deutlich zu stabilisieren. Ich kann nun jeden Tag wieder einigermaßen funktionieren. Für mich ein sehr großer Fortschritt auf meinem Genesungsweg. Mehr über meinen Nährstoffmangel erfährst Du in meinem Beitrag Mein Genesungsweg: Nährstoffmangel festgestellt.

Tiefe „Brummbär“-Stimme

In Momenten, in denen ich mehr bei mir bin, verändert sich nun meine Stimme. Sie klingt für mich viel tiefer, gelassener als sonst. Dies kann schlagartig geschehen. So war es zum Beispiel, als ich in diesem Monat bei meinem neuen Arzt war. Im Wartezimmer war ich noch etwas dissoziiert. Als ich dann zu meinem Arzt ins Zimmer gerufen worden bin, änderten sich meine Verfassung und meine Stimme schlagartig. Ich war plötzlich deutlich mehr bei mir und meine Stimme wurde tief.

Die tiefe Stimme fühlt sich sehr gut an. Ist das die Stimme des Erwachsenen, wenn die kleinen, traumatisierten Anteile sich in Sicherheit fühlen? Noch weiß ich es nicht, aber ich bin guter Dinge, es bald erfahren zu dürfen.

Schmerzen im linken Knie

Traumabedingte Kopf- und Nackenschmerzen heftigsten Ausmaßes kenne ich ja nun schon seit ein paar Monaten aber im Mai kamen neue Schmerzen im linken Knie dazu. Immer, wenn mich eine Situation triggert, vor allem, wenn Gedanken mich triggern, bekomme ich jetzt Schmerzen im linken Knie. Es fühlt sich dabei so an, als würde mein Knie sich für einen Moment versteifen.

Klar für mich ist, dass es sich bei den Schmerzen um Körpererinnerungen aus einer meiner Traumatisierungen handelt, die bislang noch abgespalten, dissoziiert waren. Genauer zuordnen kann ich sie zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Aber auch hier bin ich guter Dinge, diese bald besser verstehen zu können.

Tiefe Traurigkeit

Seit anderthalb Jahren kenne ich schon diese tiefe Traurigkeit, die meistens ganz plötzlich auftritt. Ich habe sie bisher immer der Gegenwart zugeordnet. Ich dachte, die Traurigkeit wäre darauf bezogen, dass ich mein Leben aufgrund meiner Erkrankung im Moment nicht so gestalten kann, wie ich es gerne würde.

Jetzt stelle ich jedoch immer mehr fest, dass diese Traurigkeit einem sehr kleinen, verletzten, traumatisierten Kindanteil von mir gehört. Immer, wenn ich mit diesem Kindanteil in Kontakt komme, dann bricht die Traurigkeit aus mir heraus. Ich fange an zu weinen. Nicht nur ein bisschen, sondern ich weine, als würde es kein Morgen mehr geben. Dann, ganz plötzlich, als würde sich ein Schalter in mir umlegen, ist die Traurigkeit vollkommen verschwunden. Es fühlt sich so an, als würde sich mein Bauch zusammenziehen und das Gefühl im Keim ersticken.

Es gibt Tage, an denen komme ich gut an die Traurigkeit heran und Tage, an denen sie sich völlig in mir versteckt. Wenn die Traurigkeit nicht allzu tief in mir vergraben ist, komme ich mit Hilfsmitteln ganz gut an die Gefühle heran. Ich höre zum Beispiel melancholische Musik oder schaue mir Szenen mit großer Mitmenschlichkeit an, die mich berühren (z.B. auf Youtube). Dann kommen die Gefühle und es kullern die Tränen.

Noch ist diese Traurigkeit ziemlich isoliert, abgespalten. Wahrscheinlich gehört sie einem dissoziierten Kindanteil, den ich erst noch besser kennen lernen muss, damit ich verstehe, in welchen Kontext die Traurigkeit gehört.

Jucken der Haut

Ein neues Symptom, dass sich seit Mai sehr deutlich bei mir zeigt, ist das Jucken meiner Haut. In Situationen, die mich triggern, mich jedoch nicht so überfordern, dass ich stärker dissoziiere, fängt nun meine Haut an zu jucken. Es bilden sich dabei auch rote Stellen auf meiner Haut, die wie Mückenstiche aussehen (und jucken).

Diese „Juckstellen“ sind nicht auf bestimmte Körperregionen beschränkt, sondern können sich auf dem ganzen Körper bilden. Meine Therapeutin meinte, dass diese Reaktion meiner Haut ein Zeichen für einen inneren Konflikt von Anteilen darstellen könnte. Irgendwie fühlt es sich auch so an. Genauer interpretieren vermag ich das Jucken jedoch noch nicht. Mittlerweile weiß ich aber, dass die Erklärungen „automatisch“ folgen werden, wenn die Zeit reif dafür ist.

 

So, das war es mit den wesentlichen Veränderungen, die der letzte Monat bei mir hervorgebracht hat. Ich bin gespannt, wie es im Juni weitergeht und werde nächsten Monat davon berichten.

Hast Du Fragen oder Anmerkungen? Dann scheue Dich nicht, mich zu kontaktieren.

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HERZliche Grüße
Stephan

1 Antwort

  1. Wunderschön wie Du Dich zeigt, lieber Stephan.
    Es scheint Dir sehr wichtig zu sein, erklären zu können warum etwas so ist, wie es ist. Stimmts? z.B. dein Jucken…
    Was passiert denn, wenn Du Dir vorstellst das Jucken einfach mal wahrzunehmen? Wie ist es jetzt gerade? Ahhh spannend. Und jetzt?

    Herzlicher Gruß und viel Freude beim (Wieder)Entdecken,
    Jonas
    (Gestalttherapeut in Ausbildung. http://www.jonasgebauer.de)

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