Die schlechtesten Therapie-Ratschläge bei dissoziativen Störungen

Dissoziative Störungen Therapie-Ratschläge

Viele sogenannte Fachleute kennen sich mit dissoziativen Störungen und posttraumatischen Belastungsstörungen nicht wirklich aus. Sie haben keine Traumatherapie-Ausbildung gemacht und verfügen nur über allgemeine psychiatrische oder psychotherapeutische Kenntnisse und Methoden.

Es verwundert demnach nicht, dass viele Psychiater, Therapeuten und andere Fachleute Empfehlungen aussprechen, die nicht nur nicht zielführend sind, sondern das Leiden der Betroffenen nur noch vergrößern. Im schlimmsten Fall führen solche – wenn auch vielleicht gut gemeinten Ratschläge – zur vollständigen Verzweiflung.

So war das auch bei mir. Empfohlene Maßnahmen und Verhaltensweisen halfen nicht oder ich wusste, dass sie nicht helfen würden. Ich wurde immer verzweifelter, weil nichts half und meine dissoziativen Symptome unverändert blieben. Schlussendlich war ich nicht mehr weit davon entfernt, mir das Leben zu nehmen – so groß war meine Verzweiflung.

Da ich bereits seit längerem eine Top-Therapeutin habe und auf dem Weg der Genesung bin, kann ich die schlechten Ratschläge, die ich gehört habe, mittlerweile mit Abstand betrachten und auch mit etwas sarkastischem Humor nehmen.

Im Folgenden findet ihr die schlechtesten Therapie-Ratschläge, die ich bisher gehört habe. Wahrscheinlich findet sich hierin der ein oder andere von euch wieder – traurig, aber leider wahr!

„Eine Traumatherapie wird Ihnen nicht helfen. Sie haben kein Trauma.“

Diese Aussage habe ich öfters gehört. Psychiater und Therapeuten meinten, dass Trauma bei mir nicht zutreffen würde, da ich keine konkreten Erinnerungen in Form von Bildern an traumatische Erlebnisse hätte.

Da haben sich die „Fachleute“ aber sowas von getäuscht! Es ist sogar die Regel, dass viele Traumatisierte keine Erinnerungen an traumatische Ereignisse haben, weil diese durch den Mechanismus der Dissoziation aus dem Bewusstsein verdrängt wurden.

Es gibt zahlreiche Fälle, teils schwer und langfristig Traumatisierter, denen keinerlei Erinnerungen bewusst sind. Diese kommen erst im Rahmen einer spezifischen Traumatherapie nach und nach wieder ans Licht.

Meine dissoziativen Symptome waren eindeutig genug, um eine Traumatisierungen als Ursache annehmen zu müssen. Die wahren Fachleute haben dieses ohne Zweifel sofort erkannt. Mittlerweile kommen bei mir auch immer mehr abgespaltene, dissoziierte Erinnerungen zurück, teils in Form von Bildern, aber auch in anderen Erscheinungsformen, wie zum Beispiel Körpererinnerungen.

„Verwenden Sie einen Igelball gegen die Dissoziation.“

Von vielen Personen habe ich den Ratschlag bekommen, ich solle lernen, die Dissoziation mit starken Reizen, wie zum Beispiel mit Igelbällen, Ammoniak oder Eiswürfeln zu kontrollieren. Ich habe immer wieder neue Anläufe unternommen und es ausprobiert, doch geholfen hat es nichts.

Als ich dann endlich eine Therapeutin gefunden hatte, die sich wirklich mit dissoziativen Störungen auskennt, wurde das Rätsel um die Igelbälle gelöst: mit starken Reizen könne man leichtere dissoziative Zustände kontrollieren, nicht jedoch die ausgeprägten dissoziativen Symptome komplexer dissoziativer Störungen (NNBDS, DIS).

„Wollen Sie hier sein? Sie müssen es nur wollen.“

In einer psychosomatischen Klinik wollte man mir weis machen, dass ich meine dissoziativen Zustände bewusst kontrollieren könne. Ich müsste nur die Entscheidung treffen, nicht dissoziieren, sondern hier sein zu wollen.

Ich habe bisher noch niemanden kennengelernt, der dissoziiert hat und das bewusst wollte, bzw. gut fand. Der Ratschlag, man müsse es nur wollen, ist nicht nur aus fachlicher Sicht absoluter Unsinn, sondern führt zu vollständiger Verzweiflung, da sich Betroffene noch machtloser und „verrückter“ fühlen.

Jeder von dissoziativer Störung Betroffener möchte nicht (mehr) dissoziieren!

„Machen Sie Kreuzworträtsel. Das wird sie beruhigen.“

Eine gute Freundin von mir, die unter der Dissoziativen Identitätsstörung leidet, bekam einen heftigen Flashback und wurde daraufhin sehr suizidal. Sie fühlte sich nicht in der Lage, die suizidalen Impulse zu kontrollieren und rief deshalb einen psychiatrischen Krisendienst an.

Nachdem sie ihre Notlage ausführlich geschildert hatte, bekam sie folgenden Ratschlag: „Machen Sie Kreuzworträtsel. Das wird sie beruhigen. Wenn sie sich Montag nicht besser fühlen, dann können sie ja vorbeikommen.“ (es war übrigens Freitag Abend).

Meine Freundin war in einer absoluten Notsituation und hat nach Hilfe gesucht. Der Ratschlag, Kreuzworträtsel zu machen, ist für mich ein klarer Fall von unterlassener Hilfeleistung. Glücklicherweise wurde der Ernst der Lage in einer Notfallambulanz richtig erkannt. Meine Freundin bekam dann die richtige Hilfe.

„Gehen Sie wieder arbeiten. Das wird Ihnen gut tun.“

Wieder arbeiten zu gehen und sich zu reintegrieren ist ein Ratschlag, den ich öfters selbst bekommen habe. Ich bekomme auch von vielen anderen Betroffenen immer wieder geschildert, dass sie diesen Ratschlag gut kennen.

Dass arbeiten gehen und das Leben bestreiten erstrebenswert sei und gut tun mag, möchte ich überhaupt nicht von der Hand weisen. Viele wünschen sich nichts sehnlicher, als ein normales Leben zu führen. Es gibt jedoch Phasen, in denen arbeiten gehen schier unmöglich erscheint. Wie soll man vernünftige Arbeit leisten, wenn die dissoziativen Symptome zum Beispiel das Leben unkontrollierbar bestimmen?

Hinzu kommt auch, dass es Phasen gibt, in denen man einfach die Zeit für sich selbst braucht. Würde man in solchen Phasen arbeiten gehen, um den Pseudo-Verpflichtungen der Gesellschaft nachkommen, dann würde das nur den Genesungsprozess behindern.

Wenn arbeiten nicht geht, dann ist das so. Basta!

„Heiraten Sie.“

Meine ehemalige Psychiaterin ist eine wirklich weise Frau. Sie hat mir geraten, ich solle persönliche Pläne machen, wie zum Beispiel zu heiraten. Das würde mir helfen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Man muss dazu wissen, dass sie sich mit posttraumatischen Belastungsstörungen und dissoziativen Störungen überhaupt nicht auskennt. Für sie scheinen verhaltenstherapeutische Ratschläge das Allheilmittel für alle psychischen Leiden zu sein.

Ich bewunderte diese kluge Frau und vermisse ihre Warmherzigkeit, die einem Eisberg gleicht. Dennoch fühle ich mich irgendwie bei meinem aktuellen Psychiater viel wohler und verstanden.

Eure Erfahrungen?

Ihr findet euch in den oben genannten Ratschlägen wieder oder habt andere schlechte Ratschläge erhalten? Ich freue mich, von euch zu hören bzw. zu lesen.

HERZliche Grüße

Stephan

Dissoziative Störungen – empfehlenswerte Bücher

19 Antworten

  1. Sabine sagt:

    Wie gut das tut von Menschen zu lesen, denen es so geht wie mir!! Ich lebe seit 20 Jahren mit diesen Symptomen, die nach dem Verlustjahr 2006 ins unermessliche gesteigert wurden. Ich war in Kliniken, zu Rehas und bei Therapeuten und bekomme ständig solche Hinweise. Mach doch mal Dies oder Jenes…von Igelbällen träume ich schon fast…dass ich nicht falsch bin hat mir eine Therapeutin gezeigt, die sich mit Dissos auskennt. Allerdings muss sie privat bezahlt werden..keine Chance. Wie ich lebe kann sich keiner im Umfeld vorstellen. Nur mit Worten kann ich die Tragweite des Empfindens auch nicht beschreiben. Deshalb hören alle auch nur die Oberfläche oder Teile des Geschehens. Ich bin nicht in der Lage, in 50 Minuten zu beschriebn was passiert ist. Zum Verzweifeln! Manchmal liebe ich meine Dissos, dann brauche ich den Schmerz nicht ertragen. Sie sind wie eine Pause vom Elend. Aber ich LEBE ! Ich habe es jetzt auch selbst in die Hand genommen und fördere die inneren Gespräche meiner „Anteile“, mache TRE seit 5 Tagen. Und wenigstens mein Körper gibt mir nun sanfte Hinweise, dass es besser werden könnte. Meine Hoffnung. Danke für den Blog!

    • Stephan sagt:

      Liebe Sabine,

      es freut mich sehr, dass die Signale Deines Körpers Dir Hoffnung geben. Ich habe sehr viel über meinen Körper lösen können.

      Allgemein gibt es Grund zur Hoffnung, dass man heilen kann, auch wenn sich eine Heilung vielleicht unmöglich anfühlen mag – so war das für lange Zeit zumindest bei mir.

      Mit der richtigen Therapie kann man in Kontakt gelangen zu den dissoziierten Anteilen und nach und nach eins werden. Seitdem ich die richtige Therapie habe, komme ich immer weiter voran. Ich gelange zunehmend an die dissoziierten Anteile und die dissoziativen Symptome werden geringer. Immer mehr entdecke ich, wer und was ich (eigentlich) alles bin – ein wunderschöner Weg, den es sich zu gehen mehr als lohnt.

      Ich wünsche Dir, dass Du die richtige Therapie findest um eins werden zu können. Solltest Du mal einen Rat brauchen, melde Dich gerne.

      Liebe Grüße
      Stephan

  2. lydia sagt:

    Eine sehr informative und tolle Seite!

    Ich war 2 Jahre in VT und mein ehem. Hausarzt hat einfach Depression auf die Überweisung geschrieben. Obwohl die Therapeutin ca 25 J Erfahrung hatte, hat sie mich abgebügelt , als ich nach 1 Jahr die Depressionsdiagnose in Frage gestellt habe wegen mangelndem Erfolg und niemals hätte ich eine komplexe PTBS (woher auch?). Nur eine unglückliche Kindheit und ich sei ein schwieriger Fall. Dennoch hat sie ihre 45 Std durchgezogen und danach hat ein TP Therapeut sofort die richtige Diagnose gestellt (kompl. PTBS mit DIS) und nur die Akutstunden mit mir gemacht und wollte mich nicht weiter behandeln.

    Immerhin mit dieser richtigen Diagnose hat meine Psychiaterin einen Traumatherapeuten empfohlen und werde insgesamt 1,5 Jahre auf einen Platz warten. Auf den Gutachtenverfahren unter 2 Jahren haben die wenigstens Therapeuten Lust.,.

    Seitdem gehts mir viel besser und ich habe paar Bücher dazu gelesen. Mich ärgert immer noch diese Ignoranz der ersten Therapeutin- leider war sie meine allererste Therapeutin und ich war durch jahrelange TRancezustände zu Hause samt schwerster Angststörung nicht in der Lage, mir Gedanken über den Therapieerfolg zu machen. Es ging mir nach der letzten Stunden besser und ich habe mein Leben selbst in die Hand genommen.

    Schlimmer waren meine jahrelangen Trancezustände wegen andauernder Retraumatisierungen für meine Kinder. Die ersten Jahre konnte ich nicht mal richtig funktionieren und die Folgen für die Kinder sind jetzt da. Beide Angststörung und Somatisierungsstörung +sel. Mutismus , das mit 6 und 8 Jahren . Naja meine einzige Hoffnung ist nun, auch wenn wir alle ein Beziehungstrauma haben, können wir die nächsten jahre gemeinsam eine Therapie machen und lernen für uns selbst zu sorgen. Dennoch kämpfe ich jeden Tag mit allen (un)möglichen Triggern und DIS Zustände. Ich habe sie jetzt reduziert von stundenlang auf 1-2 Stunden pro Tag. Das ist mal ein Fortschritt.

    Ich behelfe mich die Zeit bis zur Traumatherapie mit körperorientierter Therapie (privat) alle 2 Monate und Psychiater einmal im Quartal besuchen. Eigentlich zu wenig.Habe keine Freunde, die mit dieser Diagnose etwas anfangen können und belasten möchte ich auch niemanden mehr.

    Ehrlich , hätte ich meine Diagnose schon vor 10 Jahren gewusst, hätte ich erst mal eine jahrelange Therapie gemacht und dann über Kinderplanung nachgedacht. Das das ganze so eskalieren würde mit Wochenbettdepressionen,Trauma etc. wäre mir niemals in den Sinn gekommen. Schade um die letzten 10 Jahre.
    Dennoch hadere ich, ob eine Traumatherapie für mich nicht zu belastend wird und ich lieber auf Heilung mit der Zeit vertraue und nebenbei paar Bücher dazu lese und mich selber verhaltenstechnisch therapiere.

    Viele Grüße

    • Stephan sagt:

      Liebe Lydia,

      schlimm, dass Du so lange nicht die richtige Diagnose bekommen hast. Leider kennen sich viele „Fachleute“ nicht mit dissoziativen Störungen aus und erkennen diese nicht als solche.

      Ich kann Dir eine Traumatherapie sehr ans Herz legen. Ich verstehe, dass Du in gewisser Weise Angst davor hast. Angst brauchst Du jedoch keine davor zu haben. Zum einen weiß ein guter Traumatherapeut, den Umgang mit belastenden Erinnerungen behutsam zu gestalten. Zum anderen schützt Dich in gewisser Weise auch Deine Dissoziation vor zu überwältigenden Zuständen.

      Ohne Traumatherapie lässt sich ein Trauma und die DIS nicht überwinden.

      Melde Dich gerne, solltest Du noch Fragen haben.

      Beste Grüße
      Stephan

    • Sabine sagt:

      Als hätte ich das geschrieben! Wow…

  3. Tanja sagt:

    Hallo Stephan, Hallo liebe anderen Leser…
    Ich bin 31 Jahre und war quasi bereits mit 15 Jahren mal 7 oder schon 28… Mal Mann, mal Frau, mal Kind… Ich bin am Tiefpunkt meiner Psyche angekommen… Ich habe 4 wundervolle Töchter und lebe in Ehe und anderer Beziehung… Ich bin aus Schutz vor meinen Kindern ausgezogen um wieder EIN Leben zu haben… Ich finde einfach keinen Therapeuten und die die ich gefragt habe, sagen dann es dauert jahrelang… werde ich meine Kinder erst wieder bei mir haben, wenn sie erwachsen sind? Bitte ich reise durch ganz Deutschland um Hilfe zu bekommen… Wer ist euer Therapeut, wer hilft wirklich? Ich nehme JEDEN Ratschlag an! Bitte helft mir…

    • Stephan sagt:

      Liebe Tanja,

      das, was Du beschreibst, klingt nach der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS) bzw. Multiplen Persönlichkeitsstörung. Mit der richtigen Therapie lässt sich diese Störung heilen. In der Regel ist die Heilung ein längerer Weg, den es sich zu gehen jedoch mehr als lohnt.

      Kinder zu haben und aufzuziehen ist nicht ausgeschlossen mit dieser Störung. Ich kenne einige Menschen mit DIS, die Kinder haben. Es kann sein, dass Du einige Schritte gehen musst, bevor Du Dich bereit fühlst, Deine Kinder wieder bei Dir haben zu können.

      Es gibt einen Verein, der sich für Menschen mit DIS einsetzt. Dieser nennt sich Vielfalt e.V.. Soweit ich weiß, vermitteln diese auch Therapeuten, die sich mit DIS gut auskennen.

      Ich wünsche Dir von Herzen alles Gute. Du darfst Dich gerne auch per Email oder über Facebook direkt bei mir melden, wenn Du möchtest.

      Liebe Grüße
      Stephan

  4. René sagt:

    Hallo Stephan
    Bin gerade auf Deinen Artikel gestossen. Ich habe auch gerade diesen Punkt erreicht. Ich war schon so ziemlich alles Borderliner, instabile Persönlichkeit u.s.w. Eine Traumaabklärung wurde abgelehnt und belächelt. Ich hätte keine typischen Symptome. Nach einer weiteren Retraumatisierung und zwei Wutausbrüchen hat mich meine Therapeutin auf die Strasse gesetzt. Ich gehe jetzt zu einer Traumatherapeutin und hoffe wir gehen endlich an die Ursache.

  5. Susan sagt:

    Hallo Stefan, hallo an alle,

    seit Jahren, Jahrzehnten versuche ich mit meiner „inneren Hölle“ zu leben und habe mich immer wieder erholen können, bzw. ablenken können.

    Bin 35 Mal umgezogen (statt Igelbälle) und entsprechend viele neue Jobs gehabt, habe von Rückführungen, Familienaufstellungen über Aurahäkeln bis zur Psychoanalyse (die ist allerdings gut) alles mitgemacht und viel Energie und Geld bezahlt.

    Es gibt und gab auch zwischendrin monatelang keine Probleme und ich dachte schon, jetzt habe ich es überwunden, dann aber plötzlich, mitten in einer Nacht, ist es wieder da. Ich nenne es „es“ oder speechless terror weil es mir nicht möglich ist zu beschreiben was es ist oder was passiert- ich kann nur parabelartige Vergleichswörter benutzen um einigermaßen verstanden zu werden.

    Diagnose ist und war natürlich immer Depression; immerhin erreiche so immer wieder eine Auszeit (AU) und kann mich ausruhen, denn dieses in die Hölle katapultiert sein ist so sehr anstrengend und ich bin dann so dankbar wenn ich wieder draußen bin, dass ich am liebsten jede Minute ganz bewusst lebe und genieße und nicht arbeiten gehen will und kann.

    Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich immer „rauskomme“.

    Ich habe mir die Konzepte der Traumatherapien durchgelesen und nicht gefunden wie denn die Herangehensweise aussehen soll; meistens wird davon geschrieben erst einmal die Ursache zu bearbeiten. Wie aber soll jemand mit mir arbeiten, wenn ich unfähig bin zu erklären was los ist?

    Naja, immerhin habe ich mit meinem Therapeuten erarbeitet, dass ich nicht verrückt bin und dass ich mein Leben lang üben muss bei mir zu bleiben und nicht aufzugeben.

    Und – ich tröste mich gut damit, dass ich durch den Riesengegensatz meiner Welten die schöne davon wirklich sowas von genieße..was an den Kartenspruch: „der Depressive ist ja schon glücklich wenn er keine Depression hat“ erinnert, aber immerhin lebe ich jetzt schon 57 Jahre und habe nicht bereut es aufzugeben.

    Warum ich mich ins www setze – Gibt es andere Menschen, die diese Sprach- und Wortlosigkeit kennen?

    • Stephan sagt:

      Liebe Susan,

      Sprachlosigkeit ist nicht selten nach traumatischen Erfahrungen. Das ist ja auch kein Wunder, wenn man durch die Hölle gehen musste. Ebensowenig ist es nicht verwunderlich, wenn man weiterhin verdrängen und „es“ nicht spüren möchte. Allerdings ist dies der einzige Weg „es“ zu verarbeiten und wirklich frei leben zu können.

      „Es“ zu verarbeiten bedeutet jedoch nicht, nochmal durch die Hölle gehen zu müssen. Im Rahmen einer Traumatherapie kann man sich den Geschehnissen nähern, ohne jedoch davon übermannt zu werden.

      Wenn Du noch Fragen hast oder einen Rat möchtest, melde Dich gerne bei mir. Gerne auch per Email oder über Facebook.

      Liebe Grüße
      Stephan

  6. Annie sagt:

    Achja, lieber Stephan, Ammoniak und Igelbälle … und einen bestimmten Schmerzpunkt an der Hand ganz fest pressen … ich glaube, das haben wir alle schon gehört, ohne dass es geholfen hat. Mir hilft Bewegung und wenn es nur Kaugummikauen ist. So kann ich die für die Flucht bereitgestellte Energie aktivieren und ins Jetzt finden.

    All die üblichen Ratschläge hab ich von einer Traumaambulanz bekommen. Diese hat mir auch – basierend auf meinen Berichten über die Wahrnehmung anderer von mir ! – bestätigt, ich wolle nur nicht anerkennen, dass ich meine Interessen gut wahrnehmen könne und nicht beeinträchtigt sei. Grund: Weil ich es – sehr zeitaufwändig und mit viel Mühe, die die Anderen ja nie mitbekamen – schaffte, sinnvolle Behördenschreiben abzufassen, als ich durch die kPTBS meine Selbstständigkeit aufgeben musste. Der Begriff der „hochfunktionellen Persönlichkeitsanteile“ war dort völlig unbekannt.

    Es fand auch niemand merkwürdig, dass ich in solchen Behördengesprächen „normal“ agieren konnte, aber mich nie an deren Inhalte erinnerte, obwohl ich mich an den Termin an sich schon erinnerte. (Bin dann „nur einfach“ dissoziiert.) Nach nunmehr sechs Jahren bekomme ich immer noch keine angemessene Therapie, nur SSRI. Wartezeit für eine ambulante Traumatherapie bei uns: 3 Jahre. Und zum Fachwissen der ambulanten (Trauma-!)Therapeuten, bei denen ich probatorische Sitzungen hatte, da gebe ich lieber keinen Kommentar dazu ab.

    Liebe Grüße und danke für dieses informative Blog!

    • Stephan sagt:

      Liebe Annie,

      traurig zu lesen, welche Erfahrungen Du gemacht hast. Das Problem, als hochfunktionale dissoziative Persönlichkeit nicht ernst genommen zu werden, kenne ich auch nur zu gut. Man wirkt ja dann so „aufgeräumt“ und stark.

      Gib die Hoffnung nicht auf, einen guten Traumatherapeuten zu finden, der Dich wirklich versteht und akzeptiert, wie Du bist. Dann ist Heilung möglich. Es gibt sehr gute Traumatherapeuten. Man darf nur nicht die Hoffnung aufgeben (auch wenn das oft sehr, sehr schwer sein mag).

      Ich wünsche Dir alles Gute. Wenn Du Hilfe oder einen Rat brauchst, melde Dich gerne.

      Liebe Grüße
      Stephan

      • Annie sagt:

        Lieber Stephan,

        danke für Deine Antwort.

        Genau, ich bin ja „so stark“ und hab „alles im Griff“. Hab ich auch. Aber nur nach außen. Und um welchen Preis und unter welcher Anstrengung.

        Es gibt bei uns eine Kontaktliste für „Trauma-Therapeuten“, aber wer sich dort listet, wird nicht geprüft. Also kann man das im Prinzip direkt lassen. Das hat sich leider wiederholt beim Abtelefonieren dieser Liste gezeigt. 🙁

        Ich habe eine PTBS und dissoziiere manchmal bei Triggern, bin aber immer ich selbst (also keine DIS). Leider kommen traumabedingte Amnesien dazu. Kannst Du jemanden empfehlen, der sich mit diesen beiden Feldern (oder auch nur einem davon) auskennt? Ich brauche dazu ggf. auch ein Gutachten.

        Liebe Grüße
        Annie

  7. Carmen sagt:

    Hallo Stephan,auch ich kenn das alles…leider….ich versuch ,damit klarzukommen…vermeide Arztpraxen…weil es eh keinen interessiert….habe alle Medikamente ausgeschlichen…weil ich heute ganz sicher bin,dass zb SSRI das neben sich stehen….noch verschlimmern….sonst würde ich nicht von Woche zu Woche mehr „genesen“….die Dissos seltener und nicht mehr so heftig….ich freu mich sehr über Deine Seite….die ist richtig klasse.
    Wo finde ich einen Arzt,der spezialisiert ist bzgl. Diss.Störungen?
    Vllt.kannst Du mir da weiterhelfen?!
    Vlg.

    • Stephan sagt:

      Hallo Carmen,

      vielen Dank für Deine Nachricht. Es freut mich zu lesen, dass es Dir immer besser geht und Du am genesen bist.

      Einen Arzt zu finden, der sich wirklich mit dissoziativen Störungen auskennt, ist nicht einfach. Ich habe sehr lange gesucht.

      Ich kann Dir leider keinen anderen Rat geben, als immer weiter auszuprobieren, bis Du Dich wirklich verstanden fühlst.

      Liebe Grüße
      Stephan

  8. Tina sagt:

    Das spricht mir aus der Seele. Vor allem das mit den starken Reizen. Wie lange hab ich an mir selbst gezweifelt. Und noch schlimmer war, dass meine Therapeuten ja dachten, ich gebe mir keine Mühe…

    • Stephan sagt:

      Liebe Tina, es freut mich zu lesen, dass Dir mein Beitrag gefällt. Leider höre ich von sehr vielen Betroffenen immer wieder, dass sie solche Ratschläge bekommen und daran verzweifeln.

      Ich wünsche Dir alles Gute!

      HERZliche Grüße
      Stephan

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