Dissoziative Störungen / Dissoziation erkennen – Tests & Fragebögen

Dissoziative Störungen Tests / Fragebögen

Mit den drei Tests FDS (Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen), DIS-Q (Dissoziationsfragebogen) und SDQ (Fragebogen für Somatoforme Dissoziation) lassen sich dissoziative Störungen erkennen.

Wie findet man heraus, ob man von einer dissoziativen Störung betroffen ist? Im Idealfall erhält man die Diagnose von einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten. Oftmals werden dissoziative Störungen jedoch auch von Fachleuten nicht erkannt (siehe auch 6 Gründe warum dissoziative Störungen oft nicht erkannt werden).

Es gibt jedoch relativ simple Tests in Form von Fragebögen, mit denen man sich selbst auf dissoziative Symptome überprüfen kann. Aufgrund dieser Selbstbeurteilung bekommt man eine erste gute Einschätzung darüber, ob man unter einer dissoziativen Störung leiden könnte. Die drei in der Praxis am häufigsten verwendeten Tests/Fragebögen stelle ich in diesem Beitrag vor.

Bitte beachte: die Tests sollten Dir nur als erste Selbsteinschätzung dienen. Eine profunde Diagnose kann nur durch einen Facharzt für Psychiatrie oder durch einen Psychotherapeuten erfolgen.

Führt man die Tests ausschließlich alleine durch, so bergen die Ergebnisse ein gewisses Fehlerpotential in sich – und dieses in beide Richtungen. So können bestehende dissoziative Störungen nicht erkannt werden oder die Ergebnisse deuten auf eine dissoziative Störung hin, die de facto jedoch nicht vorliegt. Selbst Störungen mit komplexer Dissoziation, wie die dissoziative Identitätsstörung (auch Multiple Persönlichkeitsstörung genannt) können beim Selbstausfüllen der Tests unerkannt bleiben.

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Die drei beliebtesten Tests / Fragebögen für dissoziative Störungen

Es gibt mehrere Tests, welche die dissoziative Symptomatik untersuchen. In der Praxis werden die folgenden drei Tests am häufigsten von Fachleuten angewendet:

  1. Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS)
  2. Dissoziationsfragebogen (DIS-Q)
  3. Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ)

Diese drei Tests stelle ich nun im Detail vor.

1. Fragebogen zu dissoziativen Symptomen (FDS)

Der Fragebogen zu dissoziativen Symptomen (FDS) von Freyberger et al. ist die deutsche Version der Dissociative Experiences Scale (DES) von Bernstein-Carlson und Putnam und der populärste Test für dissoziative Symptome. Er kann für alle Erwachsenen ab 18 Jahren eingesetzt werden.

Beim FDS handelt es sich um ein Selbstbeurteilungsinstrument, das aus 44 zu beantwortenden Punkten (den sogenannten Items) besteht. Die zu testende Person beantwortet jeden der 44 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 Prozent.

Die Items erfassen dissoziative Symptome zu den folgenden vier Kategorien:

  • Amnesie
    Beispiel: „Einige Menschen stellen manchmal fest, dass Sie Dinge getan haben, an die sie sich nicht mehr erinnern können.“

  • Absorption/imaginative Involviertheit
    Beispiel: „Einige Menschen fahren gelegentlich mit einem Auto, einem Bus oder einer U-Bahn und stellen plötzlich fest, dass sie sich nicht daran erinnern können, was während der Fahrt geschehen ist.“

  • Derealisation/Depersonalisation
    Beispiel: „Einige Menschen haben zeitweise das Gefühl, dass ihr Körper oder ein Teil ihres Körpers nicht zu ihnen gehört.“

  • Konversion
    Beispiel: „Einige Menschen haben manchmal Schwierigkeiten mit den Augen (z.B. Doppelt- oder Schleiersehen), ohne dass ein Arzt eine körperliche Ursache finden konnte.“

Neben dem FDS existiert mit dem FDS-20 (Spitzer C et al.) eine Kurzform, die nur aus 20 statt 44 zu beantwortenden Items besteht. Der FDS-20 eignet sich vor allem für die Verlaufsmessung von dissoziativen Störungen.

Auswertung des Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS)

Nachdem alle Punkte beantwortet worden sind, muss der Mittelwert aller Items berechnet werden. Hierzu addiert man alle Einzelwerte zusammen und teilt sie durch die Anzahl der Items (44 beim FDS und 20 beim FDS-20).

Befindet sich der errechnete Mittelwert über 13 (empfohlener Cut-off-Wert für FDS/FDS-20), so deutet dies auf eine dissoziative Störung hin. Sollte dies der Fall sein, so ist es ratsam, sich eingehender von einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten untersuchen zu lassen.

Ein Wert von unter 13 bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine dissoziative Störung vorliegt. Im Zweifelsfall sollte ein Fachmann/eine Fachfrau aufgesucht werden. Dieses ist vor allem dann zu empfehlen, wenn einige Punkte stark ausgeprägt sind.

Offiziell erhältlich (zum Preis von 89 Euro) ist der Fragebogen zu Dissoziativen Symptomen (FDS) unter www.testzentrale.de. Wenn man etwas auf Google recherchiert, sind jedoch auch Kopien online zu finden. Ich zum Beispiel habe eine Kopie des DES im Internet gefunden und verwendet.


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2. Dissoziationsfragebogen (DIS-Q)

Der Dissoziationsfragebogen (DIS-Q) von Vanderlinden et al. ist ein weiterer populärer Fragebogen zur Selbstbeurteilung von dissoziativen Symptomen. Er wurde ursprünglich entwickelt zur Erfassung von Dissoziation im Zusammenhang mit Essstörungen, ist aber nicht darauf beschränkt.

Der DIS-Q Fragebogen besteht aus 63 Items. Diese sind zu beantworten auf einer Skala von 1 (trifft überhaupt nicht zu) bis 5 (trifft genau zu).

Der DIS-Q misst Identitätsunsicherheit und Identitätsfragmentierung (25 Fragen), Kontrollverlust (18 Fragen), Amnesie (14 Fragen) und Absorption (6 Fragen).

Auswertung des Dissoziationsfragebogen (DIS-Q)

Nachdem alle 63 Punkte beantwortet worden sind, muss wie beim FDS der Mittelwert aller Items berechnet werden. Hierzu addiert man alle Einzelwerte zusammen und teilt sie durch die Anzahl der Items (63).

Befindet sich der errechnete Mittelwert über 2,5 (empfohlener Cut-off-Wert für den DIS-Q), so deutet dies auf eine dissoziative Störung hin. Ist dies der Fall, so ist es ratsam, sich eingehender von einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten auf eine eventuell vorliegende dissoziative Störung untersuchen zu lassen.

Ein Wert von unter 2,5 bedeutet nicht unbedingt, dass keine dissoziative Störung vorliegt. Im Zweifelsfall sollte man einen Fachmann/eine Fachfrau aufsuchen. Dieses ist vor allem dann zu empfehlen, wenn einige der Punkte stark ausgeprägt sind.

Der DIS-Q ist mit etwas Rechercheaufwand im Internet zu finden. Ich habe zum Beispiel eine französische Version gefunden, die ich mit den Suchbegriffen „dissociation questionnaire dis-q pdf“ bei Google gesucht habe.

3. Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ) /
Fragebogen für Somatoforme Dissoziation

Der Somatoform Dissociation Questionnaire (SDQ) befasst sich mit den körperlichen Elementen der Dissoziation. Hierzu gehören unter anderem:

Der SDQ Fragebogen wurde von der niederländischen Arbeitsgruppe um Van der Hart und Nijenhuis entwickelt. Er besteht aus 20 Items, welche auf einer Skala von 1 (erlebe ich nie) bis 5 (erlebe ich sehr oft) zu beantworten sind.

Mit dem SDQ-5 existiert auch eine Kurzform des Somatoform Dissociation Questionnaire. Der SDQ-5 besteht aus nur 5 Items.

Auswertung des Somatoform Dissociation Questionnaire

Nachdem alle  Punkte beantwortet worden sind, muss die Gesamtpunktzahl berechnet werden. Hierzu werden die Werte aller Punkte aufsummiert.

Die Cut-off-Werte beim SDQ sind:

  • 29 Punkte beim SDQ-20
  • 8 Punkte beim SDQ-5

Ist der errechnete Gesamtwert größer oder gleich dem Cut-off-Wert, so sollte man sich eingehender von einem Facharzt oder einem Psychotherapeuten auf eine eventuell vorliegende dissoziative Störungen untersuchen lassen. Es könnte eine dissoziative Störung vorliegen.

Befindet sich das Testergebnis unterhalb des Cut-off-Wertes, so kann dennoch – wie beim FDS und DIS-Q – eine dissoziative Störung vorliegen.

Die beiden Tests SDQ-20 und SDQ-5 werden von Nijenhuis für die freie Verwendung zur Verfügung gestellt. Die Fragebögen kannst Du hier downloaden:

> Download SDQ-20

> Download SDQ-5

Fazit

Die drei vorgestellten Tests/Fragebögen sind ein gutes Hilfsmittel, um eine erste Selbsteinschätzung bzgl. der dissoziativen Symptomatik vorzunehmen. Die Tests sollten jedoch nicht die professionelle Diagnostik ersetzen. Auf die Fehleranfälligkeit der Tests hatte ich oben bereits hingewiesen.

Ich selbst habe alle drei Tests durchgeführt, um meine dissoziativen Symptome zu untersuchen. Zum Testzeitpunkt war die körperliche dissoziative Symptomatik bei mir am stärksten ausgeprägt. Meine Testwerte beim SDQ befanden sich mit 35 Punkten (SDQ-20) und 11 Punkten (SDQ-5) deutlich über den Cut-off-Werten, was auf eine dissoziative Störung hindeutet. Beim FDS und DIS-Q hingegen befanden sich meine Testergebnisse mit 12,9 (FDS) und 2,1 (DIS-Q) leicht unterhalb der Cut-off-Werte. Würde man streng nach den Cut-off-Werten gehen, würde gemäß FDS und DIS-Q bei mir keine dissoziative Störung vorliegen.

Um bestmögliche Testergebnisse zu erzielen, empfehle ich, eine Kombination der Tests FDS oder DIS-Q mit dem SDQ. So werden alle dissoziativen Symptome, inklusive der körperlichen Symptome, berücksichtigt.

 

Dissoziative Störungen: Teste Dich, ob Du betroffen bist - posttraumatische-belastungsstörung.com

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