6 Gründe warum dissoziative Störungen oft nicht erkannt werden

Dissoziative Störungen werden häufig nicht erkannt

Dissoziative Störungen werden oftmals nicht erkannt und als andere psychische Erkrankungen fehldiagnostiziert. Betroffene erhalten häufig Diagnosen wie Depression, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen (z.B. Borderline) oder Schizophrenie. Bei der Dissoziativen Identitätsstörung (DIS), die dissoziative Störung mit der ausgeprägtesten dissoziativen Symptomatik, erhalten Betroffene die richtige Diagnose im Schnitt erst nach 7 Jahren!

Dabei sind dissoziative Störungen alles andere als selten. Schätzungsweise 4 Millionen Menschen sind in Deutschland davon betroffen, wie Du in meinem Beitrag Die Häufigkeit dissoziativer Störungen wird Dich überraschen nachlesen kannst.

Auch ich hatte fast vier Jahre die falsche Diagnose. Bei mir wurden schwere Depression (F32.2) und Depersonalisations- und Derealisationssyndrom (F48.1) diagnostiziert und das, obwohl ich meine dissoziativen Symptome bei den diagnostizierenden Ärzten sehr klar beschrieben hatte. Ich lief von Arzt zu Arzt und hatte immer das Gefühl, dass mich keiner versteht bzw. keiner verstehen möchte.

Also musste ich es selbst in die Hand nehmen. Ich informierte mich, kaufte mir etliche Bücher und fand schließlich eine Therapeutin, die sich wirklich sehr gut mit der Behandlung von dissoziativen Störungen auskennt. Seitdem geht es deutlich voran. Meine Störung NNBDS (Nicht Näher Bezeichnete Dissoziative Störung) ist diagnostiziert und wird nun richtig behandelt.

Aber warum werden dissoziative Störungen so oft nicht erkannt, obwohl sie doch so häufig vorkommen? Im Folgenden findest Du die Gründe dafür.

Deswegen werden dissoziative Störungen oft nicht erkannt

1. Fachleute besitzen unzureichende Kenntnisse bzgl. dissoziativer Störungen

Meines Erachtens ist die mangelhafte Ausbildung der Fachleute (Psychiater, Psychotherapeuten, Heilpraktiker für Psychotherapie, etc.) der Hauptgrund dafür, warum dissoziative Störungen oftmals nicht erkannt werden. Der Begriff „Dissoziation“ ist zwar vielen Fachleuten grundsätzlich bekannt, jedoch besitzen nur wenige ausreichende Kenntnisse darüber, dissoziative Störungen richtig zu diagnostizieren und passende therapeutische Maßnahmen abzuleiten.

Ich habe in den letzten Jahren zahlreiche Ärzte und Therapeuten kennengelernt – ambulant, wie auch stationär in Kliniken. Die meisten kannten sich bezüglich dissoziativer Störungen nicht aus.

2. Dissoziative Störungen und Symptome sind der Allgemeinbevölkerung unbekannt

Dissoziative Störungen und Symptome sind in der Allgemeinbevölkerung weitestgehend unbekannt. Betroffene nehmen vielleicht einige der dissoziativen Phänomene wahr, wissen diese jedoch nicht als solche zu deuten. Oftmals nehmen Betroffene auch an, dass es sich dabei um „normale“ Symptome einer Depression handele. Schließlich wird diese ja häufig diagnostiziert.

Eine bessere Aufklärung der Allgemeinbevölkerung würde wahrscheinlich dazu führen, dass viele Betroffene ihre dissoziativen Symptome als solche erkennen und sich entsprechende Hilfe suchen würden.

3. Betroffene bemerken die dissoziativen Symptome nicht

Der Mechanismus der Dissoziation ist bewusstseinsfern. Viele Betroffene nehmen ihre dissoziativen Symptome gar nicht oder nicht in vollem Umfang wahr (zum Beispiel „Amnesie für die Amnesie“). Teilweise wird das Dissoziieren bereits so früh im Leben „erlernt“, dass den Betroffenen gar nicht bewusst ist, dass andere Menschen die Welt anders, konsistenter wahrnehmen könnten. Und wie soll man etwas beschreiben bzw. Ärzten und Therapeuten schildern, dass man gar nicht bemerkt?

4. Betroffene neigen dazu, ihre dissoziativen Symptome zu verbergen

Einige Betroffene haben Angst davor, von Ärzten oder Therapeuten für „verrückt“ erklärt zu werden, wenn sie ihnen von den dissoziativen Symptomen (zum Beispiel Stimmenhören) berichten. Viele Betroffene schämen sich auch für die dissoziativen Symptome und verheimlichen diese. Werden die dissoziativen Symptome im Diagnosegespräch und während der Therapie jedoch nicht erwähnt, ist es auch für Fachleute schwierig, diese zu erkennen.

5. Therapeutische Hilfe wird meistens wegen Begleiterkrankungen gesucht

Die meisten Betroffenen von komplexen dissoziativen Störungen suchen nicht wegen der dissoziativen Symptomatik nach therapeutischer Hilfe, sondern wegen den damit einhergehenden Begleiterkrankungen. Zu Beginn der Therapie stehen deshalb oftmals greifbarere Beeinträchtigungen im Vordergrund, wie z.B. Depression, Ängste, Zwänge oder Essstörungen. Häufig gelangt das dissoziative Erleben erst im Laufe einer Therapie in den Fokus.

6. Öffentlich zugängliche Informationen sind irreführend, sogar teilweise falsch

Häufig suchen Betroffene Rat im Internet. Sie stoßen dabei auf eine Fülle an Informationen, die oft widersprüchlich, irreführend und teilweise sogar falsch sind. So empfehlen zum Beispiel einige Quellen, dass sich dissoziative Störungen (immer) verhaltenstherapeutisch behandeln ließen (z.B. mit starken Reizen durch Ammoniak, Eiswürfel oder Igelbälle). Dieses trifft jedoch nur bei einfachen dissoziativen Störungen zu. Bei komplexeren dissoziativen Störungen sind nur störungsspezifische Therapien hilfreich, die gezielt darauf ausgerichtet sind, dissoziative Barrieren schrittweise zu verringern. Reine verhaltenstherapeutische Maßnahmen bringen in diesen Fällen nichts.

 

Dissoziative Störungen – empfehlenswerte Bücher

2 Antworten

  1. Dave sagt:

    Danke für deinen Beitrag,ich erlebe das nun auch schon fast ein halbes jahr,Mal mehr mal weniger…

    Ist echt so wie durch eine Scheibe aber halt nicht immer manche Tage geht’s und manche halt nicht so….auch Probleme mit meinem Gedächtnis hab ich,manchmal hab ich zu tun die letzte Woche zusammen zu bekommen ….
    Was aber echt merkwürdig ist,ist das es abends irwie immer fast weg ist wobei es am Tag manchmal so erschöpfend ist das ich denke ich bin einen Marathon gelaufen obwohl ich nix gemacht hab…

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